Neue Bahnen für Erfurt

Erfurt ist eine wachsende Stadt und immer mehr Menschen fahren mit Stadtbahn und Bus. Auf einigen Strecken kommen wir an unsere Belastungsgrenzen. Um die wachsende Zahl von Fahrgästen zu bewältigen, schaffen wir neue Straßenbahnen an. Dies ist nicht nur eine Frage der Kapazität, sondern auch technisch notwendig, denn die durchschnittliche Lebensdauer einer Straßenbahn beträgt rund 30 Jahre. Unsere ersten Niederflurfahrzeuge sind mittlerweile über 25 Jahre alt und müssen ersetzt werden.

Durch Neubeschaffung von 14 Niederflurbahnen für die Landeshauptstadt Erfurt wird neben der Gewährleistung eines stabilen ÖPNV im Verkehrsverbund Mittelthüringen auch den europäischen Bestrebungen zur Reduzierung von CO 2 und Feinstaub in den Städten Rechnung getragten.
 
Das vom Freistaat Thüringen geförderte Vorhaben wurde durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. 

Aktuelles

2021

Anfang Oktober wurde der achte Tramlink geliefert. Insgesamt haben die ersten sieben Bahnen seit Mai bereits 55.000 Kilometer zurückgelegt. Die beiden ersten gelieferten Fahrzeuge knackten jeweils die 10.000er-Marke und hatten schon ihre erste erfolgreiche Inspektion.

Mit Stand August waren bereits 5 neue Bahnen geliefert. Sie wurden im Zusatzverkehr auf der Stadtbahn-Linie 2 eingesetzt und verbanden die beiden BUGA-Standorte egapark und Petersberg miteinander.

Am 1. Juli ging der Wagen 801 in den Linienbetrieb. 

Am 22. März wurde der Tramlink 801 in zwei Teile zerlegt und auf zwei Tiefladern quer durch Frankreich nach Erfurt gebracht. Im April folgten die Inbetriebsetzung mit Testfahrten, Bremsproben, Einrichtung der Elektronik, Integration in den Betriebsfunk und weiteren Abnahmen. Für die Testfahrten wurde die Bahn als Erlkönig beklebt und war „inkognito“ in Erfurt unterwegs. Die Ergebnisse der Tests wurden zu Stadler übermittelt und flossen in die Fertigstellung der anderen Bahnen ein.

Im Januar fand die erste Testfahrt des Wagens 801 auf der Teststrecke des Herstellers Stadler in Valencia statt. Zwei Monate später konnte die Werksabnahme durchgeführt werden.

2020

Die Lieferung der ersten Fahrzeuge war für den Herbst 2020 anvisiert. Das konnte leider aufgrund der Corona-Krise nicht eingehalten werden, da Spanien besonders stark betroffen war und sich über Wochen im Lockdown befand.

2019

Nach der Konzeptionsphase begann die Produktion im spanischen Valencia. 

2018

Im Frühjahr 2018 erfolgte die europaweite Ausschreibung. Am 29. Oktober 2018 unterzeichneten Myriam Berg für die EVAG und Peter Jenelten, Vice President Vertrieb & Marketing von Stadler, offiziell den Vertrag zur Lieferung von 14 neuen Straßenbahnen für Erfurt. 

Feierliche Inbetriebnahme Tramlink 801

Nach vier Wochen intensiver Tests und Probefahrten im Liniennetz der EVAG war es soweit: Die erste neue Straßenbahn des Schweizer Herstellers Stadler nahm ihren Betrieb auf. Am 20. Mai 2021 drehte der Wagen 801 die erste Runde mit geladenen Fahrgästen durch die Stadt. Mit dabei S. E. der Botschafter der Schweiz, Herr D. Paul Seger, der zur feierlichen Inbetriebnahme des Tramlink nach Erfurt kam.
 
Ohne die Unterstützung durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen hätte die EVAG als Tochterunternehmen der SWE Stadtwerke Erfurt GmbH dieses große Vorhaben nicht stemmen können. Die Förderung beträgt knapp 47 Prozent.
 
„Mit den neuen Bahnen gewährleisten wir einen stabilen ÖPNV im Verkehrsverbund Mittelthüringen und leisten unseren persönlichen Beitrag zur Reduzierung von Kohlendioxid und Feinstaub. Um den Nahverkehr auch in Zukunft als moderne und attraktive Alternative zum Individualverkehr etablieren zu können, hoffen wir auch weiterhin auf die Unterstützung durch den Freistaat Thüringen und Förderprogramme der EU“, sagt Peter Zaiß, Geschäftsführer der SWE Stadtwerke Erfurt GmbH. So sind 10 weitere Bahnen von Stadler zur Erneuerung der Fahrzeugflotte der EVAG als Option vereinbart, deren Finanzierung ist aber noch nicht gesichert.
 
„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Stadler und Kiepe Electric aus Düsseldorf so erfahrene und kompetente Partner für dieses große Projekt gewinnen konnten. Die Integration der längeren Fahrzeuge in unser bestehendes Schienennetz war eine Herausforderung. Umfangreiche Tests waren notwendig, die wir aber gern auf uns genommen haben, denn die Bahnen sind nicht nur aufgrund ihrer größeren Kapazität ein großer Gewinn für Erfurt“, betont Myriam Berg, Vorstand der EVAG. 
 
Jure Mikolčić, CEO Stadler Deutschland: „Mit dem Tramlink wird der Fahrkomfort für Fahrgäste und Fahrer verbessert. Die neuen Straßenbahnen sind mit Klimaanlagen ausgestattet und schaffen mit einem offenen Raumgefühl, hochwertigen Materialien sowie einer vollständiger Durchgängigkeit eine freundliche Umgebung. Auch der Arbeitsalltag der Fahrer verbessert sich: Der ergonomisch gestaltete Fahrerarbeitsplatz ermöglicht eine gute Rundumsicht. Er ist außerdem mit einem modernen Touchbildschirm ausgestattet.“
 
Neu ist zudem die Türtechnik. Über grün oder rot blinkende LED-Leuchtleisten zeigt sie dem Fahrgast, ob ein gefahrloses Ein- oder Aussteigen möglich ist.
 
„Das nachhaltige Mobilitätskonzept der EVAG überzeugt und wir haben für die Fahrzeuge ein umfangreiches Paket an elektrischen Systemen geschnürt, die perfekt aufeinander und auf die Tramlink-Plattform abgestimmt sind“, sagt Alexander Ketterl, Geschäftsführer von Kiepe Electric. Die Leistungen beinhalten unter anderem Antriebssystem, Bordnetzversorgung, Fahrzeugsteuerung und Klimatechnik. Die EVAG hat den Anspruch eines sehr energieeffizienten Betriebs, hierzu tragen die hochmodernen Klimaanlagen für Fahrerstand und Fahrgastraum bei. So lässt sich der Fahrgastraum über einen Rückkühler mit der Abwärme der wassergekühlten Motoren heizen. Zudem arbeitet das Klimasystem mit einem bedarfsgerechten Umluftbetrieb. Dazu misst ein CO2-Sensor beständig die Luftqualität und das Klimasystem heizt oder kühlt genau das Frischluft-Volumen, wie es die Passagieranzahl erfordert. Zum energieeffizienten Konzept gehört außerdem, dass die rekuperierte Bremsenergie entweder vom Fahrzeug selbst genutzt oder zurück ins Oberleitungsnetz gespeist wird.
 
Die technische, wirtschaftliche und betriebliche Unterstützung des europaweiten Vergabeverfahrens für die neuen Bahnen übernahm der TÜV Rheinland. Dessen Experten begleiten auch die Fertigung der Fahrzeuge in Valencia sowie den Prozess zur Zulassung der Fahrzeuge für den Einsatz in Erfurt intensiv.

Noch mehr erfahren Sie im Blog der Stadtwerke.

Technik und Ausstattung

Im Unterschied zu den im Betrieb befindlichen Fahrzeugen des Typs MGT6D sind die neuen Straßenbahnen von Stadler des Typs TRAMLINK mit rund 42 Metern 14 Meter länger und bieten Raum für mehr Fahrgäste. Bis zu 248 Personen finden im TRAMLINK Platz, 87 davon auf Sitzplätzen. Der ebene Einstieg in das niederflurige Fahrzeug ist an insgesamt sieben Türen möglich und ermöglicht so einen schnellen Wechsel der Fahrgäste. 

Wir freuen uns, mit dem TRAMLINK ein modulares und flexibles Fahrzeug genau auf die Erfurter Anforderungen ausrichten zu können. Trotz seiner Länge von 42 Metern ist das Fahrzeug bestens geeignet, auch enge Gleisbögen zu durchfahren. Das einzigartige Lenksystem sorgt dabei in Verbindung mit einem innovativen Fahrwerk für eine sanfte Durchfahrt der Kurven und eine ruhige und bequeme Fahrt. Gleichzeitig ist der TRAMLINK extrem geräuscharm, so dass Anwohner nicht durch laute Fahrgeräusche gestört werden.

Auch unsere Fahrzeugführer können sich auf die neuen Straßenbahnen freuen. Die ergonomisch gestaltete Fahrerkabine ermöglicht eine gute Rundumsicht. Sie ist mit einer Klimaanlage und einem modernen bildschirmgeführten Fahrzeugsteuersystem ausgestattet. Und auch unsere Fahrgäste können sich freuen, künftig in klimatisierten Fahrzeugen zu reisen.

Die hellen, geräumigen und barrierefreien Fahrgastbereiche zeichnen sich durch breite Gänge und eine durchgängige Niederflurbauweise aus. Auch im Bereich der Übergänge und über den Drehgestellen befinden sich komfortable Sitzplätze, die ohne Stufen oder Längsrampen erreichbar sind. Zudem gibt es spezielle Eltern-Kind-Sitze, die mit der anderthalbfachen Breite ausreichend Platz für die kleinen Fahrgäste und ihre Eltern bieten.
 
Gesondert ausgewiesene Multifunktionsbereiche im Bereich der fünf Doppeltüren erleichtern die Beförderung von Kinderwagen und Rollatoren. Zwei separate Bereiche sind dabei für Rollstuhlfahrer vorgesehen.

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Die neuen Fahrzeuge sollen vorrangig auf der Hauptachse Nord-Süd eingesetzt werden.

Ein Fahrzeug kostet ca. 4 Mio. Euro. 

Das Projekt wird zu 46,79 % mit Fördermitteln von den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Freistaat Thüringen unterstützt.

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